«Geht nicht – gibt’s nicht.»

Walter Wüst, Ihr Unternehmen kann nächstes Jahr das 50-Jahr-Jubiläum feiern – Ausdruck dafür, was Sie und Ihre Mitarbeitenden geleistet haben. Wir sind stolz darauf, und es ist mir eine Freude, dass ich dieses Jubiläum noch feiern darf. Karl und ich haben ein Unternehmen ohne Kapital, von null auf, erschaffen, das dann dank vielen geschätzten und durch uns immer geförderten Mitarbeitenden erfolgreich geworden ist.

Interview mit Walter Wüst

Walter Wüst, Ihr Unternehmen kann nächstes Jahr das 50-Jahr-Jubiläum feiern – Ausdruck dafür, was Sie und Ihre Mitarbeitenden geleistet haben.

Wir sind stolz darauf, und es ist mir eine Freude, dass ich dieses Jubiläum noch feiern darf. Karl und ich haben ein Unternehmen ohne Kapital, von null auf, erschaffen, das dann dank vielen geschätzten und durch uns immer geförderten Mitarbeitenden erfolgreich geworden ist. Was hat es noch gebraucht, um dieses erfolgreiche Unternehmen aufzubauen? Karl und ich wurden zuhause nach dem Motto «Ohne Fleiss, kein Preis» erzogen. Wir sind grösser geworden, weil wir gute Leistungen erbracht und damit die Kunden zufriedengestellt haben. Dank «Mund-zu-Mund-Werbung» konnten wir stetig neue Kunden gewinnen. Für mich ist ein Unternehmen wie ein Baum: Beide wachsen, wenn sie gesund sind. Aber der Stamm allein reicht nicht: Der Baum braucht Äste und Blätter, das Unternehmen Kunden und Mitarbeitende.

Sie waren in den 1970er-Jahren beim FC Altstätten ein bissiger, gefürchteter Verteidiger. Die Kämpfe mit dem Stürmer Sklarsky vom FC Vaduz waren legendär, und der Aufstieg in die 1. Liga gelang auch dank Ihnen.

Ja, das war eine schöne und erfolgreiche Zeit. Für mich wurde dann der Aufwand in der 1. Liga neben der beruflichen Tätigkeit und der jungen Familie aber zu gross, und ich musste mich aus der 1. Mannschaft zurückziehen. Ich habe immer gekämpft, hart, aber fair. So sehe ich auch das Unternehmertum, das ich jeweils mit einer Fussballmannschaft vergleiche: Man muss ein gut eingespieltes Team sein, und wenn man einmal verloren hat, muss man kämpfen, um wieder zu gewinnen. Niemals darf man den Kopf hängen lassen, man muss immer vorwärtsschauen.

Fünfzehn Jahre nach der Gründung beschäftigte die Wüst AG bereits über 70 Mitarbeitende, und Sie wurden zusammen mit Ihrem Bruder im Jahr 2000 zum «Unternehmer des Jahres» am Rheintaler Wirtschaftsforum ausgezeichnet. Was waren die wichtigsten Erfolgsfaktoren in dieser Gründungszeit?

Wir haben immer dafür gesorgt, dass die Mitarbeitenden einen sicheren Arbeitsplatz hatten und wir Überkapazitäten mit temporären Mitarbeitenden oder Freelancern ausgleichen konnten. So mussten wir nie einen Auftrag absagen. Die Mitarbeitenden, ob angestellt, temporär oder freiberuflich, waren in diesen frühen Jahren der Erfolgsfaktor unserer Unternehmen und sind es auch heute noch.

2002 haben Sie die Fairtec AG für Messebau gegründet. Wie kam es dazu?

Im Messebau waren wir eigentlich schon seit 1982 tätig. Damals hatten wir vor allem mit der Expomobilia in Zürich zusammengearbeitet, die sich wie wir im Wachstum befand und im Metallbaubereich aktiv war. Bis 1990 haben wir gemeinsam praktisch ausschliesslich am Genfer Autosalon Messestände gebaut. Genf war für uns interessant, weil der Autosalon immer im März, in einer für uns «bauarmen» Zeit, stattfand, was einen guten Ausgleich ergab. Dann kamen Kommunikationsmessen und vor allem auch die Basler Uhren- und Schmuckmesse dazu, bei der wir bis zu 15 Messestände bauten und bis zu 60 Personen im Einsatz hatten. Da war uns klar, dass wir uns spezialisieren und professionalisieren mussten, und gründeten die Fairtec AG. Damit hatten wir Planungssicherheit in Sachen Personal und Auslastung. Auch für die Nachfolgeregelung war die Gründung ideal. Die Gesellschaft im Messebau war «mein» Kind, und ich hätte sie ausgliedern können, falls Karls Söhne die Metallbau AG übernommen hätten.

Der Messebau ist ein hart umkämpfter internationaler Markt. Sie haben es geschafft, für grosse Marken wie Rolex, Swarovski, Victorinox etc. die Messestände aufzubauen. Wie kommt ein Unternehmen aus dem St. Galler Rheintal zu solch internationalen Aufträgen?

Natürlich sind wir ein wenig hineingewachsen. Mit unserem Slogan «Geht nicht, gibt’s nicht» haben wir im Messebau Aufträge erledigt, die andere Firmen nicht hätten bewältigen können. Vor allem bei der Uhren- und Schmuckmesse haben wir uns mit dem Rolex-Stand ausgezeichnet, einem dreigeschossigen Messestand. Dann kamen auch Patek Philippe und andere auf uns zu, was uns einen Namen im Messebaugeschäft einbrachte. Ohne das Know-how der Wüst Metallbau AG und unsere festangestellten und freien Mitarbeitenden wäre das alles natürlich nicht möglich gewesen. So konnten wir die Kunden zufriedenstellen und neue Aufträge gewinnen.

2019 haben Sie die Wüst Holding AG gegründet, welche die Unternehmen Wüst Metallbau AG, Fairtec AG, F. Hasler AG und Theler + Partner AG hält. Was waren die Gründe für diese Holding-Gründung?

Es war ein wichtiges Puzzle-Teil unserer Nachfolgeregelung. Sie bietet unserer Familie noch mehr strategische Freiheiten in der Begleitung der Unternehmen. Das liegt mir sehr am Herzen.

Welches sind die grössten Herausforderungen, die es zu meistern gilt, damit die Wüst Holding AG auch in Zukunft erfolgreich bestehen kann?

Das sind die Digitalisierung, der Fachkräftemangel, Regulierungen und die zunehmend einengenden Bauvorschriften. Vor allem die Digitalisierung und der Fachkräftemangel haben uns in den letzten Jahren gefordert. Heute sind wir mit der Digitalisierung auf dem neusten Stand. Dem Fachkräftemangel begegnen wir in zweierlei Hinsicht: Einerseits hilft uns das gute Arbeitsklima Mitarbeitende zu halten, und anderseits legen wir seit den 1980er-Jahren grossen Wert auf die Ausbildung eigener Mitarbeitender – Lernende in den Bereichen Metallbau oder Planung. Wir haben insgesamt wohl zwischen zwei- und dreihundert Lernende ausgebildet. Bei den Bauvorschriften und der Regulierung sehen wir, dass die zeitlichen Fortschritte, die wir dank der Digitalisierung gemacht haben, durch die Bürokratie wieder aufgefressen werden. Natürlich hat die Regulierung auch gute Seiten – wie zum Beispiel bei der Sicherheit.

«Nachhaltiges Bauen ist zu einem wichtigen Thema geworden.» So steht es auf Ihrer Website. Was verstehen Sie unter nachhaltigem Bauen mit Stahl, Metall, Glas etc.?

Wir schauen vor allem, dass Ressourcen gebraucht werden, die umweltschonend sind. Daher setzen wir auf Stahlfenster oder -tore, die in energietechnischer Hinsicht sehr gut sind. Generell schauen wir auf energiebewusste Konstruktionen, die zu kostenarmem Unterhalt führen sollen. Recycling ist für uns ein weiteres grosses Thema. So wurden zum Beispiel 2022/23 für das neue Google-Gebäude in Zürich 60 Prozent des Materials aus dem Abbruch des alten Gebäudes wiederverwendet. Auch bei Rolex und anderen grossen Uhrennamen ist es wichtig, dass wir die Nachhaltigkeit unserer Bauten zeigen können. Dazu gehören auch Transportwege. So lagert jetzt das meiste Material für die Uhren-Messestände in Genf und nicht mehr in Altstätten. Dadurch fällt der Transport weg.

2019 haben Sie die F. Hasler AG und 2020 die Theler + Partner AG übernommen. Welche Gründe führten zu diesen Übernahmen?

Bei der F. Hasler AG kam der Inhaber, Simon Hasler, auf mich zu, da er eine Nachfolgeregelung suchte. Sein Unternehmen hat einen sehr guten Namen im Treppenbau. Ich war immer jemand, der spezielle Sachen suchte, die nicht jeder macht. Wir haben mit der F. Hasler AG nun auch sehr grosse und schöne Aufträge gewonnen. Mit der Übernahme konnten wir die Nachfolge der F. Hasler AG sichern, den Werkplatz in Altstätten beibehalten und mit seinem Sohn, Philipp Hasler, der heute in unserer GL sitzt, einen kompetenten Mitarbeiter gewinnen. Bei der Theler + Partner handelt es sich um ein kleineres Unternehmen, das im Unterhalt und Reparaturwesen vor allem Wüstfür Tankstellen – Migrol, Shell, Socar – tätig ist. Es arbeitet seit vielen Jahren mit uns zusammen, was ihm ermöglicht, auch grössere Aufträge zu erledigen.

Sie sind längst im Pensionsalter und immer noch aktiv.
Was kommt nach Walter Wüst?

Jetzt kommt zuerst das 50-Jahr-Jubiläum, das mich freut und für das ich mich engagiere. Und mein «Hobby», der Messebau, mein «Kind», ist mir immer noch wichtig und gleichzeitig eine Herausforderung. Hier kann man Kreativität, Innovation und das Machbare noch ausleben. Auch sind wir weiterhin im Ausland tätig. So haben wir 2018 in Sambia ein grosses Militärcamp, in Melbourne auf einer Pferderennbahn eine Aussichtsloge und in Hamburg ein grosses Filmstudio gebaut. Für solche Aufträge und für ein Team, wie wir es haben, lohnt es sich, über das Pensionsalter hinaus tätig zu sein. Aber natürlich mache ich mir Gedanken über die Nachfolge. Bis 2012 hatten wir keine eigentliche Geschäftsleitung, Karl und ich haben alles gemacht. Nach der Übernahme habe ich bald einmal eine GL eingeführt. Fünf der sechs aktuellen Mitglieder stammen aus dem eigenen Unternehmen. Mit dieser kompetenten GL und vielen jungen, motivierten und talentierten Mitarbeitenden habe ich Vertrauen, dass die Wüst Holding AG und ihre Tochterunternehmen eine erfolgreiche Zukunft haben werden. Ich freue mich, die Entwicklung als Verwaltungsratspräsident und Inhaber der Unternehmen weiterhin strategisch mitzuprägen, solange es meine Gesundheit zulässt.

Interview: Reinhard Frei, freicom.ch