Interview mit Michale Kläui
Das Innovationszentrum InnoQube in Chur, das auf einer grosszügigen Fläche von 1’200 Quadratmetern errichtet wurde, dient als gemeinsam genutzte Plattform für Startups, Unternehmen, Investoren und Unternehmer, um ein inspirierendes Umfeld für Wachstum und Innovation zu schaffen. Hier wird der Austausch von Ideen gefördert, was einen idealen Nährboden für unternehmerischen Erfolg bietet. Die Verbindung zwischen moderner Architektur und funktionaler Konstruktion unterstreicht die Bedeutung von Innovation, die das Zentrum und die Wüst Metall-
bau AG repräsentieren. Wir haben den Chefmonteur von Wüst Metallbau bei diesem Projekt, Michael Kläui, zum Gespräch getroffen. Die Wüst Metallbau AG wurde mit der anspruchsvollen Aufgabe betraut, die Gebäudehülle präzise zu planen, alle notwendigen Materialien für die Unterkonstruktion, Isolation und Verkleidungselemente bereitzustellen und die Fassade fachgerecht zu montieren.
Herr Kläui, wie sind Sie zum Metallbauer geworden?
Ich habe zuerst Koch gelernt. Als Koch sah ich einfach am Abend keine «Ergebnisse» – nur leere Teller. Was ich den ganzen Tag gemacht hatte, war gegessen, weg, übrig blieb nur der Abwasch, zurück kamen nur leere Teller. Von meiner ganzen mühevollen und kreativen Arbeit sah ich einfach zu wenig. Daher wollte ich etwas machen, das man am Schluss auch sieht, etwas machen, das bleibt. Deshalb ging ich gleich nach der Lehre zur Karl Wüst Metallbau. Das fertige Gebäude steht nicht nur für Innovation, sondern auch für höchste Handwerkskunst, Präzision und Nachhaltigkeit – Werte, die ebenso die Wüst Metallbau AG auszeichnen. Durch unsere Arbeiten konnten wir einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass das Innovationszentrum zu einem Ort wird, an dem Menschen und Ideen gemeinsam wachsen und gedeihen können.
Inzwischen sind Sie seit 46 Jahren bei Wüst Metallbau beschäftigt, also ein Mann der «ersten Stunde». Wie haben Sie die Anfänge erlebt?
Es war eine super Firma schon von Beginn weg. Wir waren ein kleines Team. Kollegialität und Zusammenhalt waren einmalig. Arbeitsmittel und Tätigkeit waren natürlich viel einfacher als heute. Wir arbeiteten mit Kabelrollen, bauten selber die Gerüste, brauchten keine Sicherungsleinen und Absperrungen. Es ist heute aber nicht mehr so anstrengend wie früher. Heute hat man viel bessere technische Mittel, die Metall-Elemente sind grösser, und heute hat man Krane, die vieles erleichtern. Früher mussten wir noch vieles von Hand tragen oder ausbessern.
Was macht Wüst Metallbau so speziell, dass die Firma auch 50 Jahre nach der Gründung noch erfolgreich ist?
In erster Linie sind es die Mitarbeitenden. Wir waren immer sehr flexibel und gut ausgebildet. Wenn etwas fertig werden musste, haben wir auch am Sonntag in der Werkstatt gearbeitet, vor allem im Messebereich. Wir waren auch immer bereit für jede Art von Arbeit und Aufträgen. Ich habe mich oft gefragt: Warum kommen die mit diesem Projekt zu uns? Aber sie wussten eben, Wüst Metallbau kann’s! Auch die Kollegialität unter uns allen war einmalig. Mit Karl und Walter sass man nach der Arbeit oft zusammen, diskutierte, lachte. Heute geht das natürlich nicht mehr im gleichen Stil; mit dem Erfolg sind wir grösser und grösser geworden. Aber Walter nimmt sich immer Zeit für uns. Sicher gab es auch Differenzen, aber nur für Minuten.
Sie sind Chefmonteur. Was ist Ihre Hauptaufgabe bei einem Auftrag von Wüst Metallbau?
Wenn ich die Pläne für ein Projekt erhalte, entscheide ich, welche Mitarbeiter ich brauche, und teile die Arbeit ein. Ich bin nicht nur verantwortlich für das Hauptmaterial, das ich bekomme, sondern allenfalls auch für die Bestellung von zusätzlichem Material. Ich kontrolliere alle Masse, spreche mich mit der Bauführung und der Bauherrschaft über den Ablauf ab und entscheide auch über ausserordentliche Einsätze, wenn es Änderungen seitens der Bauführung gibt. Ich muss natürlich immer vor Ort sein und auch Ideen einbringen, damit der Bauablauf für die anderen nicht zu kompliziert wird. Auch die Kontrolle des Rapportwesens gehört zu meinen Aufgaben.
Sie waren Chefmonteur beim InnoQube in Chur, einem Innovationszentrum aus Glas und Stahl direkt an der Autobahn. Welches waren die Herausforderungen bei diesem preiswürdigen Bau?
Speziell war natürlich, dass es von der Form und von der Höhe her kein normaler Bau ist, sondern ein wabenförmiges Gebäude. Entsprechend kompliziert waren die Anschlüsse. Wir mussten sehr sauber arbeiten und hatten immer die Bauphysiker im Nacken, die uns tagtäglich kontrollierten. Natürlich machen wir alles immer fachgerecht, dichten ab, kontrollieren – aber beim InnoQube musste alles achtmal genauer gearbeitet sein. Das brauchte viel Fachwissen, Engagement und auch Energie. Wegen der Höhe des Gebäudes und der Bauvorschriften musste vieles beachtet werden.
Sie waren auch viele Jahre im Messebau tätig. Was ist der Unterschied zwischen dem Messebau und dem Bau eines InnoQube?
Der Unterschied liegt vor allem in der Zeit, die zur Verfügung steht. Im Messebau darf gar nichts schieflaufen, sonst bekommt man sofort Probleme mit den Terminen. Der Aufbau eines Messestandes muss innert weniger Tage oder Wochen geschehen, viele Handwerker arbeiten neben- oder nacheinander. Es ist alles auch sehr eng in den Messehallen, wo zum Beispiel in Basel in einer Halle tausend Leute arbeiten. Ich habe 18 Jahre lang die Nissan-Messestände in ganz Europa aufgebaut und anschliessend an der Uhren- und Schmuckmesse in Basel gearbeitet. Das waren strenge Tage und Wochen, da oft bis nachts um drei gearbeitet werden musste. Messebauer sind auch ein spezielles «Volk». Zeitdruck, Zusammenhalt, Kollegialität sind einmalig. Man kommt in ganz Europa herum und trifft immer wieder die gleichen Leute.
Wenn Sie nicht auf einem Bau sind – wo trifft man Sie, was machen Sie in der Freizeit?
Um mich vom Baustress zu erholen, gehe ich in den Garten. Da kann ich auftanken. Auch setze ich mich gern aufs Velo oder wandere. Draussen sein, die Natur beobachten – das mache ich gerne. Wie auf dem Bau bin ich auch im Garten heikel und genau. Da muss alles passen. Nach der Pensionierung bin ich in eine Wohnung gezogen und pflege nun unter anderem den Garten von Walter Wüst.
Sie arbeiten aber auch nach der Pensionierung weiter?
Ja, wenn Walter mich braucht, bin ich da. Wir hatten über all die 46 Jahre ein super Verhältnis. Alles hat gestimmt. Auch die Familien waren involviert – bei Grill-Festen, Skiweekends, Weihnachtsfeiern etc. Es war eine schöne Zeit. Heute ist eine andere Zeit – nun bin ich froh, etwas kürzer treten zu können.
Ihr Arbeitsleben geht allmählich zu Ende – das einer 15-jährigen Schülerin oder eines 15-jährigen Schülers beginnt. Was muss ein Schüler, eine Schülerin mitbringen, damit er oder sie den Beruf ergreifen kann?
Als Metallbauer musst du vor allem gerne draussen und vielseitig interessiert und handwerklich begabt sein. Du musst auch ein gutes Raumverständnis und technisches Interesse haben, belastbar sein, präzise, genau und sorgfältig arbeiten können und Teamgeist und Kollegialität mitbringen. Ebenso spielt Sicherheit im Metallbau eine große Rolle, da der Umgang mit Maschinen und scharfkantigem Material Risiken birgt. Schüler sollten ein ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein und Verantwortungsgefühl mitbringen. Natürlich haben auch Mädchen das Zeug zum Metallbau.
