Rückbauen statt wegwerfen – Metallbau für ein zirkuläres Bürohaus

Das Bürohaus an der Müllerstrasse 16/20 in Zürich wurde im Jahr 1980 fertiggestellt. 2018 übernahm es die Swiss Prime Site und liess es für den neuen Mieter, einen Tech-Konzern, totalsanieren. Die Sanierung erfolgte nach den Prinzipien des «Neuen Zirkulären Bauens». Wir sind stolz darauf, und es ist mir eine Freude, dass ich dieses Jubiläum noch feiern darf. Karl und ich haben ein Unternehmen ohne Kapital, von null auf, erschaffen, das dann dank vielen geschätzten und durch uns immer geförderten Mitarbeitenden erfolgreich geworden ist.

Das Bürohaus an der Müllerstrasse 16/20 in Zürich wurde im Jahr 1980 fertiggestellt. 2018 übernahm es die Swiss Prime Site und liess es für den neuen Mieter, einen Tech-Konzern, totalsanieren. Die Sanierung erfolgte nach den Prinzipien des «Neuen Zirkulären Bauens».

Das Bürohaus Müllerstrasse ist ein architektonisches Statement – nicht nur wegen seiner klaren, modernen Formensprache, sondern vor allem wegen des revolutionären Ansatzes, der hinter seiner Entstehung steht. Unter der Federführung von Ilmer Thies Architekten wurde das Gebäude nach den Prinzipien des «Neuen Zirkulären Bauens» konzipiert und realisiert – ein Baukonzept, das konsequent auf Wiederverwendung, Trennbarkeit und Rückbaubarkeit setzt. Für Wüst Metallbau war es ein Auftrag, der Expertise, Präzision und kreatives Mitdenken verlangte.

Material mit Geschichte – Bauteile mit Zukunft 

Statt alles neu zu planen, griffen die Architekten auf Elemente zurück, die bereits existierten – sei es aus dem Vorgängergebäude oder aus Rückbauprojekten anderer Objekte. Fensterrahmen, Bodenplatten, Metallprofile, sogar ganze Tragstrukturen wurden wiederverwendet, angepasst und in das neue Gebäude integriert. Dabei geht es nicht um Improvisation, sondern um vorausschauende Planung: Jeder Anschluss, jede Verkleidung, jede Befestigung muss so konzipiert sein, dass sie nicht nur heute passt, sondern auch noch morgen demontierbar, sortenrein trennbar oder versetzbar ist. «Entscheidend für dieses Bauprojekt war die grundsätzliche Haltung aller Projektbeteiligten in Bezug auf nachhaltiges, zirkuläres Bauen und die Einigung auf eine projektbezogene Charta als verbindliche Vereinbarung für Entscheidungen hinsichtlich der Zirkularität,» sagen die Architekten Ilmer Thies in ihrer Projektdokumentation zur Müllerstrasse.

Wüst Metallbau – Qualität in neuer Verantwortung

In diesem Kontext übernahm Wüst Metallbau zentrale Aufgaben: So wurden sämtliche Stützen im Innenbereich mit präzise gefertigten Metallverkleidungen ummantelt – nicht nur zum Schutz, sondern auch als bewusst sichtbares, gestalterisches Element. Die Bodenkanäle für Elektro- und Datenleitungen wurden so integriert, dass sie jederzeit zugänglich und erweiterbar bleiben. Sichtbare Zugstangen in markanten Metallprofilen verleihen dem offenen Tragwerk einen technisch-edlen Ausdruck. Auch die Eingangslobby trägt die Handschrift von Wüst Metallbau – mit hochwertigen Oberflächen, filigranen Details und perfekter Verarbeitung.

Neues Denken braucht neue Partnerschaften

Das «Neue Zirkuläre Bauen» verlangt ein Umdenken entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Planung über die Materialbeschaffung bis hin zur Montage. Es verlangt Lieferanten und Partner, die über den Tellerrand hinausdenken, die bereit sind, sich auf neue Prozesse einzulassen und kreative Lösungen im Detail umzusetzen. Für Wüst Metallbau war die Zusammenarbeit mit Ilmer Thies Architekten ein ideales Beispiel dafür, wie nachhaltiges Bauen gelingen kann, wenn Gestaltung, Technik und Handwerk Hand in Hand gehen.

Metall, das bleibt – und wiederkommt

Was bleibt, ist ein Bürohaus, das nicht nur ästhetisch überzeugt, sondern auch ein starkes Zeichen für die Zukunft setzt. Und für die Idee, dass ein gutes Gebäude nicht mit dem Abriss endet – sondern weiterlebt. In Teilen, Materialien und im Geist.

Interview mit Maik Ilmer, Architekt, Ilmer Thies Architekten, zum Thema «Müllerstrasse»

Mit dem Bürohaus an der Müllerstrasse xx in Zürich haben Ilmer Thies Architekten ein starkes Zeichen für das Neue Zirkuläre Bauen gesetzt. Wiederverwendete Bauteile, sortenreine Materialien, modulare Konstruktionen – das Projekt zeigt, wie ressourcenschonendes Bauen heute aussehen kann. Im Gespräch erklärt Maik Ilmer, was ihn am zirkulären Ansatz fasziniert, wie die Zusammenarbeit mit den Baupartnern funktionierte und warum gerade in Grossstädten ein Umdenken nötig ist.

Herr Ilmer, das Bürohaus Müllerstrasse gilt als Vorzeigeprojekt für zirkuläres Bauen. Was bedeutet „Neues Zirkuläres Bauen“ für Sie persönlich, und worin unterscheidet es sich vom konventionellen Planen?

Maik Ilmer: Für uns bedeutet „Neues Zirkuläres Bauen“ vor allem ein grundlegendes Umdenken: weg von einer linearen Wirtschaft – Nehmen-Produzieren-Wegwerfen – hin zu einem geschlossenen Kreislauf. Bei der Planung jedes neuen Gebäudes muss bereits die Demontage und Wiederverwendung von Materialien mitgedacht werden.

Der entscheidende Unterschied zum konventionellen Planen liegt darin, dass wir nicht mehr nur das fertige Produkt, sondern den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes betrachten. Statt auf fest verbundene Materialien zu setzen, planen wir von Anfang an mit reversiblen Verbindungen und einer sortenreinen Trennbarkeit. Das Ziel ist es, Bauwerke mit ihren Materialien als wertvolle Ressourcenspeicher für die Zukunft zu sehen.

Inwiefern verändert ein solch zirkulärer Ansatz die Zusammenarbeit mit ausführenden Firmen wie Wüst Metallbau – und welche Qualitäten schätzen Sie an solchen Partnern besonders?

Ilmer: Der zirkuläre Ansatz verändert die Zusammenarbeit grundlegend. Er erfordert ein partnerschaftliches Miteinander, das weit über die traditionelle Auftraggeber-Auftragnehmer-Beziehung hinausgeht. Wir arbeiten nicht nur zusammen, sondern entwickeln gemeinsam neue Lösungen und Prozesse. An Partnern wie Wüst Metallbau schätzen wir besonders die Bereitschaft zur Innovation sowie die Flexibilität. Sie bringen nicht nur handwerkliches Können mit, sondern auch die Neugier, konventionelle Wege zu verlassen. Die Fähigkeit, mit gebrauchten Materialien umzugehen, neue Verbindungstechniken zu erproben und eine hohe Präzision bei der Vorfertigung zu gewährleisten sind dabei entscheidende Qualitäten. Man braucht Partner, die den Mut haben, diesen Weg gemeinsam zu gehen.

Der urbane Raum ist geprägt von begrenztem Platz, Ressourcenmangel und wachsendem Druck auf Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt das zirkuläre Denken für die Zukunft des Bauens in Städten wie Zürich?

Ilmer: In solchen Städten, wo Raum und natürliche Ressourcen stark begrenzt sind, ist zirkuläres Handeln nicht nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit. Es ist ein Schlüssel, um den städtischen Raum nachhaltig zu gestalten. Indem wir Baumaterialien wiederverwenden, reduzieren wir den Bedarf an neuen Rohstoffen und minimieren Abfall. Das entlastet nicht nur die Deponien, sondern schont auch wertvolle Ressourcen. Zirkuläres Bauen ermöglicht es uns, urbane Entwicklung als einen kontinuierlichen Kreislauf zu verstehen. Jedes Bestandsgebäude schafft die Grundlage für das nächste. Es hilft, unsere Städte resilienter und umweltfreundlicher zu machen.

Wenn Sie sich ein nächstes, mutiges Projekt wünschen dürften – was würden Sie gerne zirkulär entwickeln?

Ilmer: Dann würden wir uns ein Projekt im grossen, städtischen Massstab wünschen, das komplett zirkulär gedacht wird. Die grösste Herausforderung wäre es, die Logistik für die Wiederverwendung von Materialien im grossen Massstab zu perfektionieren: von der Demontage bis zur Integration in den neuen Bau.